In der Märzausgabe berichtete Monthly Lizette, daß sich unsere Religionswissenschaftlerin
E. Plemp in Papua-Neuguinea auf einer Expedition zur Erforschung des geheimnisumwitterten Crxs befände.
Vor kurzem ist sie zurückgekehrt und legte der Redaktion folgendes zum Teil unfaßbare
Material vor:
... Nach einem Marsch von etwa zwei Wochen durch die Urwälder am Fuße des Mount Wilhelm gelangten wir in eine
von Schlingpflanzen überwucherte ziemlich verfallene Tempelanlage, die wir der Zeit der frühen Namie zuordneten, also etwa
aus dem 5. Jhdt.a.D. Dort schlugen wir unser Lager auf.
Ryan, unser Führer, warnte uns, nicht hier zu verweilen. Er war überzeugt, daß in den Ruinen ein böser Geist wohne, der
Menschen fresse. Ich war mir aber sicher, daß damit höchstwahrscheinlich Crxs gemeint war und so blieben wir, worauf sich
Ryan besoff.
Ich konnte schlecht schlafen. Das feucht-warme Klima setzte mir zu und Ryan tanzte, seltsame Reime lallend, ums Lagerfeuer.
Ich starrte auf Ryan und sann, ob ich ihn erschießen sollte oder ob sich in unserer Ausrüstung irgendetwas vorfände, das sich
als Oropax eignete.
Plötzlich vernahm ich ein donnerndes Brüllen,
das mir durch Mark und Bein ging. Bäume und Büsche teilten sich mit lautem Knacken und Krächzen. Da war er mitten im Lager
– Crxs.
Er sah genau so aus, wie auf der Zeichnung, die ich aus dem Buch von Sir Oliviére Laurelstone kannte, einem Wildbiologen
aus dem vorigen Jahrhundert, der gegen Ende des 19. Jhdt´s. nach einem Aufenthalt in Papua-Neuguinea behauptet
hatte, daß Einheimische von einem Monster berichteten, das einmal im Jahr aus dem Urwald käme, um sich einen Menschen zu holen.
Da es schon oft das ganze Dorf bei der Suche nach einer geeigneten Person verwüstet hätte, wäre man übereingekommen, ihm in
jener Nacht, jeweils den 15. März, ein Opfer zu präsentieren. Die Geopferten wären auf ewig verschwunden geblieben, was darauf
hindeutete, daß er sie fräße. Aufgrund der Beschreibungen zeichnete Sir Oliviére Laurelston damals den Crxs, wie ihn die Eingeborenen
nannten.
Leider gibt es jenes Dorf heute nicht mehr. Wir wußten
lediglich, daß es sich hier irgendwo am Fuße des Mount Wilhem befunden haben mußte. Damit war uns die Suche nach Crxs erschwert,
weil wir nicht einfach am 15. März auf sein Erscheinen warten konnten.
In einem Reflex griff ich nach meiner Kamera und blitzte. Diese Aufnahme (s.r.) brachte mich in allerhöchste Lebensgefahr.
Durch das grelle Licht irritiert stürzte sich Crxs brüllend und tobend auf mich.
Ryan rettete mein Leben. Er stellte dem Monster geistesgegenwärtig ein Bein und bewarf ihn wie wild mit brennenden
Holzscheiten. Beide, Ryan und Crxs, schrien und kreischten ohrenbetäubend. Ich flüchtete in der Zwischenzeit hinter einen
dunklen Strauch und beobachtete. Es gelang Ryan tatsächlich, den Crxs in die Flucht zu schlagen. Vermutlich war dieser mit
einem derartigen Gebaren nicht vertraut und bekam es mit der Angst zu tun. Crxs stobte mit ebensolchem Geknacke, unter dem
er gekommen war – das schnell leiser wurde und bald verschwand – hinaus in den Wald.
Ryan schoß immer noch Fackeln und schrie.
Keiner von uns konnte diese Nacht noch schlafen. So saßen wir fassungslos und ohne ein Wort zu sprechen in der Mitte
des Lagers zusammen. Wir bemühten uns, ein möglichst hohes Feuer zu nähren. Ryan war in Ohnmacht gefallen.